Von:
Inken Tabina Julia Höver

e-tun.de

Handwerklich begabt war ich nie. Gut, einen Nagel in die Wand hauen, das kann auch ich. Aber: Wände streichen, Holzhaus bauen, Fliesen verlegen? Eher nicht. Geht es nach der Werbung, kann so etwas allerdings jeder. Die Botschaft ist: Das schaffst du mit links und ruckzuck. Alles ganz einfach und irgendwie auch fast kinderkrammäßig. Manche Baumarktwerbung verspricht sogar, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken: mach es fertig, bevor es dich fertig macht und suggeriert: Du kannst gar nicht anders, denn schließlich gibt es immer was zu tun.

Dieser Ich-kann-alles-Gedanke verstummt bei mir meistens nur, bevor ich anfange: „Wie ging das noch? Muss das so? Oder doch eher so?“ Da muss ich einsehen, dass ich kein Profi bin, dass das mühsame Arbeit ist, an die ich mich erst rankämpfen muss.

Dieses Muster findet sich auch in meinem Alltag wieder. Einem übermütig energiegeladenen "das ist ein Klacks" weicht allzu häufig ein hilfloses "war wohl nichts". Und nur allzu oft verzweifle ich an den vielen kleinen und großen Dingen, die nicht so wollen, wie ich will. Und dann ist da immer auch dieses höher – schneller – weiter in meinem Nacken, das mich piesackt. Mehr tun. Mehr leisten. Vor allem effektiver, effizienter, leistungsorientierter. Druck. Stress. Keine Zeit. Sogar Freundschaften werden zu Stressfaktoren.

Die eigene Welt schrumpft zusammen auf den krankmachenden Gedanken: Ich habe selbst genug Probleme. Es gibt Zeiten, da befinde ich mich auf dem besten Weg dorthin. Steuere zielgerichtet auf den Punkt zu, an dem ich weder vor noch zurück kann. Und – warum bleibe ich nicht einfach stehen? Gehe weder vor noch zurück, sondern bin ganz da, im Hier und Jetzt, bei mir.

Wichtig von unwichtig unterscheiden: das will ich lernen, sinnlosen Ballast loswerden, mich von lieb gewonnenen Marotten trennen, die ich tue, weil ich das immer schon so getan habe. Ich will mich aufs Wesentliche konzentrieren, zur Ruhe kommen, Kraft tanken. Und ich will, möchte mich erinnern lassen, dass ich in allem, was ich tue, zu Fröhlichkeit und Dankbarkeit aufgerufen und berufen bin (1 Thess 5,16.18).